Freitag, 9. Januar 2009

Schreiben in der Wirtschaftskrise

Rezession? Wenn man nach den aktuellen Tipps für Autoren urteilt, lautet die Antwort "jein".

Den Vorschlag, sich möglichst breitgefächert zu präsentieren, halte ich durchaus für richtig. Allerdings ist die Frage, was von den via Newslettern und Online-Seiten gegebenen Ratschlägen denn tatsächlich umsetzbar ist.

Idee 1:
Erweitern Sie Ihr Angebot um das Schreiben von Lebensläufen und Bewerbungen. Die Arbeitslosigkeit steigt (wieder) und der Bedarf an qualitativ hochwertigen CV und Bewerbungsbriefen auch. Wenn Sie gut, professionell und günstig arbeiten, ist die Kundschaft da.

Natürlich ist das naheliegend, aber leider völlig unrealistisch. Für Arbeitslose gibt es Bewerbertrainings über die Arbeitsämter/-agenturen, in die einige Teilnehmer bis zu fünf oder sechs Mal hintereinander geschickt werden. Freie haben kaum bis keine Chancen, ihr Angebot unterzubringen, weil der Kostenfaktor nach wie vor zu hoch ist. Die Agenturen erstatten eben nur einen bestimmten Betrag pro Bewerbung und kein Freelancer kann es sich leisten, eine komplette Bewerbung für 5,-- Euro zu erstellen.

Hier kann man nur als freie Dozentin für Bewerbertraining partizipieren. Ob die dafür gezahlten Stundensätze (Achtung: OHNE Pausen und Fahrtzeit) akzeptabel sind, muss jede für sich selbst entscheiden.

Nicht übersehen darf man auch, dass viele gemeinnützige Organisationen Schreibarbeiten für Bedürftige kostenlos erledigen. Ein mir bekannter 1-Mann-Betrieb, der genau dieses Angebot hatte und auch Behördengänge und ähnliche Dinge übernahm, wurde so "versehentlich" in die Insolvenz getrieben. Als er sich endlich etabliert und Stammkunden hatte, durfte im Stockwerk über seinem Geschäft eine entsprechende Organisation für ein Jahr mietfrei leerstehende Geschäftsräume übernehmen.


Idee 2:
Werbetexten.

Aua. In Zeiten gekürzter Werbebudgets und Heerscharen inzwischen buchstäblich freier Journalisten und Texter lassen wir doch lieber die Finger davon. Außer, wir sind freie Journalisten oder Texter und müssen uns nicht lange auf dem Gebiet einarbeiten. Selbst dann ist die Akquise nicht leicht, da viele Firmen sehr genau wissen, dass sie diese Arbeiten kostenneutral intern dafür nicht qualifizierten Mitarbeiterinnen zumuten dürfen.


Idee 3:
Nachdem die Zeitungen/Zeitschriftenverlage wegen der zu hohen Kosten ihre Mitarbeiter (s. Idee 2) entlassen haben, und sich nun wundern, dass trotz dieser Entlassungswelle die Zahl der Leser sich nicht wieder erhöht hat, besteht natürlich weiterhin Contentbedarf, soweit die Blätter nicht ihren ehemaligen Mitarbeitern ins Aus folgten. Hier können freie Schreiber ihren Content anbieten und wenn sie weniger kosten als die ehemaligen Mitarbeiter, werde dieser auch gerne genommen.

Genau! Lasst uns alle Preisschamschwellen unterschreiten, den Markt zerstören und für ein trockenes Brot die Konkurrenz an der ausgestreckten Feder verhungern. Eine Tendenz, die sich in allen freiberuflichen Sphären unschön bemerkbar macht. Wenn es der Wirtschaft dann wieder gut geht, sollten wir uns aber damit abfinden, dass unsere Preise nachhaltig im Keller bleiben werden.



Idee 4:
Schreiben für das Internet.

Immer mehr Leute beziehen ihre Informationen aus dem Internet. Hier ergibt sich bei den Online-Magazinen eine Möglichkeit, Artikel oder andere Texte unterzubringen. In der Vita macht sich das auf jeden Fall gut. Außerdem sind die Beiträge meist wieder recherchierbar oder können verlinkt werden, so dass sie auch als Arbeitsproben weitestgehend barrierefrei zur Verfügung stehen. Das ist eine schöne Sache.

Womit ich (natürlich) wieder nicht übereinstimme, ist die Anmerkung: Die Bezahlung ist vielleicht nicht so hoch, aber besser als nichts.

Die Bezahlung wird eher in Richtung nichts gehen. Die Internetnutzer wollen kostenlosen Content. Das ist völlig in Ordnung, beeinflusst aber nachhaltig die wirtschaftlichen Überlegungen, die ein Online-Anbieter treffen muss. Wenn ich ein kostenloses Angebot zur Verfügung stelle, dann nehme ich damit im Monat genau 0,00 Euro ein. Eher bringe ich noch Geld mit, weil ich die Webseite bezahlen muss. Warum um Himmels willen sollte ich als Autorin also davon ausgehen, dass ich für den Artikel bezahlt werde?

Anders könnte der Fall liegen, wenn ein Online-Angebot über Werbeeinschaltungen finanziert wird. Allerdings wird auch dann nur eine sehr stark frequentierte Seite über genügend Werbeeinnahmen verfügen, um die angebotenen Artikel auch bezahlen zu können.


Idee 5:
Newsletter oder Firmenkorrespondenz für Mittelständler schreiben

Leider zögern die meisten Firmen, einen Newsletter überhaupt anzubieten oder den Denkwegen freier Mitarbeiter anzuvertrauen. Hier ist der persönliche Kontakt das Wichtigste und die aus guter Arbeit erwachsende Empfehlung an Geschäftsfreunde ist auch nicht zu verachten. Interessant könnte auch das Bartering sein: Ich schreibe deinen Newsletter und du schneidest mir die Haare. So haben auf jeden Fall beide Seiten etwas davon.

Mittelständler (und Freiberufler auch, wo wir gerade dabei sind) haben oft kein "richtiges" Büro. Korrespondenz und Rechnungen werden von Inhabern oder Familienmitgliedern mit Ach und Krach heruntergehauen und bleiben oft liegen, bis die Pleite droht. Hier könnte man sich einklinken, wobei sich allerdings auch die Frage der Wirtschaftlichkeit und der Kosten stellt. Überlegen Sie genau, wieviel Sie für die einzelnen Schreibarbeiten nehmen müssten, um selbst über die Runden zu kommen. In der Regel fahren diese Berufsgruppen mit 400.—Euro-Jobbern günstiger und werden eher nicht auf freie Angebote zurückgreifen.

Und vergessen Sie nicht: Schreibbüros / Schreibdienste gibt es inzwischen auch schon wie Sand am Meer. Sind Sie wirklich in der Lage, einen Teil dieses Kuchens zu ergattern?


Das gilt übrigens auch für das inzwischen so beliebte 1-Frau-Unternehmen "Ich räume Ihnen alles auf" oder "Ich schreibe Ihr Leben auf".

Die Orga-Welle hat ihre Anfangsphase jetzt schon so lange hinter sich gelassen, dass hier die besten Unternehmen längst nachhaltig etabliert sind. Sie brauchen also eine besonders ungewöhnliche Idee zu der Frage, was man den Leuten noch alles hinterherräumen könnte, um hier punkten zu können.

Das Biografienschreiben ist inzwischen ein beliebtes Angebot aller, die ein Tonbandgerät bedienen können. Entsprechend groß ist die Konkurrenz und entsprechend harsch der Umgang. Außerdem stellt sich gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise die Frage, ob die Leute – egal ob privat oder geschäftlich – überhaupt noch in der Lage und bereit sind, für das Luxusgut Biografie Geld aufzubringen. Wie eine liebe Freundin von mir erzählt, sind auch die Reaktionen von Firmenkunden oft frustrierend: Da werden Aufträge zurückgenommen, weil die Inhaber etwas aus ihrer Anfangszeit erzählen sollen und Angst haben, dass sie Betriebsgeheimnisse ausplaudern.

Ähnlich schwierig gestaltet sich das Angebot zum Lektorieren und Korrigieren. Hier können sich aber durch persönliche oder ungewöhnliche Kontakte sehr schöne Aufträge ergeben. Als Hauptbroterwerb sollte das aber nicht ins Auge gefasst werden, weil auch hier die Konkurrenz größer ist als die Nachfrage.


Aufgestöbert habe ich im Internet noch einen Bericht, der "32 Möglichkeiten, vom Bett aus Geld zu verdienen" darlegt. Dieser basiert auf Überlegungen eines bettlägerigen (amerikanischen?) Erfinders, der seinen entsprechenden Ratgeber in den USA wohl schon erfolgreich auf dem Markt hat. Hierzu und zu der Frage, über welche Themen man in der Wirtschaftskrise gewinnbringend schreiben könnte, mache ich mir im nächsten Beitrag Gedanken.


See you at the watercooler

Freitag, 2. Januar 2009

2009 wird ein schlechtes Jahr für Zeitungen und Zeitschriften

Nach einem Bericht von Deloitte, der in der Financial Times veröffentlicht wurde, stehen dem Mediensektor 2009 weltweit schwere Zeiten bevor. Bei einem erwarteten Rückgang der Werbeeinnahmen um gut 20% muss 1 von 10 Presseprodukten entweder aufgeben, seltener erscheinen oder in eine reine Online-Publikation umgewandelt werden. In den USA wird befürchtet, dass im Zuge der rückläufigen Werbegelder von den Automobilfirmen viele örtliche Publikationen vom Markt genommen werden. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA beziehen nach einem Bericht des Pew Research Centre mehr Menschen ihre Nachrichten über das Internet (40%) statt über Zeitungen (35%). Damit sind die Onlinenutzer um 16 % im Vergleich zum September 2007 gestiegen. Die britische Seite http://www.journalism.com hat im Hinblick auf die zahlreichen eingesparten Stellen eine Extraseite eingerichtet, auf der die Jobverluste im Mediensektor auf beiden Seiten des Großen Teichs aufgelistet werden. Unter der genannten URL steht auch der Bericht des PRC zur Verfügung.

Die FT bietet leider in jeder Hinsicht nur begrenzten Zugang zu ihrem Online-Angebot, solange man nicht mindestens das Standardabo kauft.

Trotzdem ein wundervolles Neues Jahr und see you at the watercooler

Sonntag, 19. Oktober 2008

Preiswert

war den LeserInnen und der Jury unser Märchenband "Drachenstarker Feenzauber".

Der Deutsche Phantastik Preis 2008 ging am 18. Oktober 2008 in der Kategorie "Beste Original Anthologie/Beste Kurzgeschichtensammlung" an die Märchensammlung, die im Wurdack Verlag erschien und von Dr. Petra Hartmann herausgegeben wurde. Darin findet sich auch ein Beitrag von mir :).

Herzlichen Dank an alle, die das möglich gemacht haben und Glückwunsch an die Herausgeberin, den Verlag und meine Co-AutorInnen.

See you at the watercooler
reading modern fairy tales

Montag, 13. Oktober 2008

Werbung macht Spaß

Also, ich beiße mir ja jetzt schon seit Wochen auf die drei Tippfinger. Aber nee, nu muss es mal raus.

In den Staaten gibt es einen tollen Toilettenreiniger. Für den sagt die Werbung: "Nur noch einmal die Schüssel reinigen."

Und wie heißt der?

K a b o o m.

Ja, nee, ne?

Nur noch einmal wischen wir den Dreck
und dann ist das ganze Klöchen weg.

Oder wie jetzt ...

Echt ein Putziges Produkt (pun intended)

See you at the watercooler

Freitag, 26. September 2008

Der Herbst ist ja wieder da

So unauffällig hat er sich dieses Jahr an mir vorbeigeschlichen, dass ich das gar nicht mitbekommen habe. Halloween ist also auch nicht mehr weit.

Abgesehen von den wunderbaren Horrorgeschichten, die sich um Halloween ranken, mag ich dieses Raubritterfest nicht. Außerdem sind wir doch allesamt verhaltensgestört: Wir bringen unseren Kinder ein ganzes Jahr lang unter Androhung furchtbarster Strafen bei, dass sie von fremden Leuten nichts annehmen sollen - aber am letzten Tag im Oktober schicken wir sie zu genau diesem Zweck selbst aus dem Haus.

Kopfschüttelnd at the watercooler
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