Grande Dame
Kennen Sie noch die großen Damen, die (zumindest im Hinblick auf Stil und Haltung) im Laufe der 1950er Jahre auftraten? Imposant, elegant - gerne festgehalten in den Karikaturen jener Zeit und auch bei dem einmaligen Knatterton zu finden (soweit mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, denn meine Tochter hat die Bücher sozusagen an sich genommen).
Retrospektive 2008, auf dem Bahnsteig am Barmbeker Bahnhof.
Sie saß auf dem ersten der drei Sitze aus Drahtgeflecht, die zur Bequemlichkeit der Wartenden neben dem Kaffeespender eines bekannten Hauses an einer schützen sollenden plexigläsernen Wand angebracht sind.
Nein - sie saß keineswegs. Sie thronte, sie hielt Hof. Würdevoll, höflich. Sofort bereit, die braune Handtasche auf dem Sitz neben ihr aufnehmen und den Platz einem Ruhesuchenden zu überlassen.
Ein türkis Kleid betonte die üppigen Formen. Wäre sie aufgestanden, hätte sich genau in der Mitte die auf den alten Zeichnungen typische, abrupte Einbuchtung gezeigt, darauf könnte ich fast wetten. Dezenter Schmuck, alles unaufdringlich.
Schwarze Haare, die zu einer Banane hochgesteckt waren. Erstes Silber im Stirn- und Schläfenbereich, das die Fülle Schwarz dezent blitzen ließ.
Oh, so vornehm!
Trotzdem hätte mich diese Reinkarnation einer wahren Großen Dame niemals so nachhaltig beeindruckt, wenn an diesem Bild nicht irgendetwas falsch gewesen wäre. Etwas passte nicht.
Als meine Bahn kam und ich einen letzten, faszinierten Blick auf La Grandezza warf, wusste ich plötzlich, was störte.
Sie mampfte für alle hör- und sichtbar auf einem Kaugummi herum.
Times, they are a-changin' ...
See you at the watercooler
Reminiszierend
Retrospektive 2008, auf dem Bahnsteig am Barmbeker Bahnhof.
Sie saß auf dem ersten der drei Sitze aus Drahtgeflecht, die zur Bequemlichkeit der Wartenden neben dem Kaffeespender eines bekannten Hauses an einer schützen sollenden plexigläsernen Wand angebracht sind.
Nein - sie saß keineswegs. Sie thronte, sie hielt Hof. Würdevoll, höflich. Sofort bereit, die braune Handtasche auf dem Sitz neben ihr aufnehmen und den Platz einem Ruhesuchenden zu überlassen.
Ein türkis Kleid betonte die üppigen Formen. Wäre sie aufgestanden, hätte sich genau in der Mitte die auf den alten Zeichnungen typische, abrupte Einbuchtung gezeigt, darauf könnte ich fast wetten. Dezenter Schmuck, alles unaufdringlich.
Schwarze Haare, die zu einer Banane hochgesteckt waren. Erstes Silber im Stirn- und Schläfenbereich, das die Fülle Schwarz dezent blitzen ließ.
Oh, so vornehm!
Trotzdem hätte mich diese Reinkarnation einer wahren Großen Dame niemals so nachhaltig beeindruckt, wenn an diesem Bild nicht irgendetwas falsch gewesen wäre. Etwas passte nicht.
Als meine Bahn kam und ich einen letzten, faszinierten Blick auf La Grandezza warf, wusste ich plötzlich, was störte.
Sie mampfte für alle hör- und sichtbar auf einem Kaugummi herum.
Times, they are a-changin' ...
See you at the watercooler
Reminiszierend
Katzenauge - 15. Mai, 11:32






Trackback URL:
http://katzenauge.twoday.net/stories/4927862/modTrackback