Beruf(ung) oder Job

Freitag, 9. Januar 2009

Schreiben in der Wirtschaftskrise

Rezession? Wenn man nach den aktuellen Tipps für Autoren urteilt, lautet die Antwort "jein".

Den Vorschlag, sich möglichst breitgefächert zu präsentieren, halte ich durchaus für richtig. Allerdings ist die Frage, was von den via Newslettern und Online-Seiten gegebenen Ratschlägen denn tatsächlich umsetzbar ist.

Idee 1:
Erweitern Sie Ihr Angebot um das Schreiben von Lebensläufen und Bewerbungen. Die Arbeitslosigkeit steigt (wieder) und der Bedarf an qualitativ hochwertigen CV und Bewerbungsbriefen auch. Wenn Sie gut, professionell und günstig arbeiten, ist die Kundschaft da.

Natürlich ist das naheliegend, aber leider völlig unrealistisch. Für Arbeitslose gibt es Bewerbertrainings über die Arbeitsämter/-agenturen, in die einige Teilnehmer bis zu fünf oder sechs Mal hintereinander geschickt werden. Freie haben kaum bis keine Chancen, ihr Angebot unterzubringen, weil der Kostenfaktor nach wie vor zu hoch ist. Die Agenturen erstatten eben nur einen bestimmten Betrag pro Bewerbung und kein Freelancer kann es sich leisten, eine komplette Bewerbung für 5,-- Euro zu erstellen.

Hier kann man nur als freie Dozentin für Bewerbertraining partizipieren. Ob die dafür gezahlten Stundensätze (Achtung: OHNE Pausen und Fahrtzeit) akzeptabel sind, muss jede für sich selbst entscheiden.

Nicht übersehen darf man auch, dass viele gemeinnützige Organisationen Schreibarbeiten für Bedürftige kostenlos erledigen. Ein mir bekannter 1-Mann-Betrieb, der genau dieses Angebot hatte und auch Behördengänge und ähnliche Dinge übernahm, wurde so "versehentlich" in die Insolvenz getrieben. Als er sich endlich etabliert und Stammkunden hatte, durfte im Stockwerk über seinem Geschäft eine entsprechende Organisation für ein Jahr mietfrei leerstehende Geschäftsräume übernehmen.


Idee 2:
Werbetexten.

Aua. In Zeiten gekürzter Werbebudgets und Heerscharen inzwischen buchstäblich freier Journalisten und Texter lassen wir doch lieber die Finger davon. Außer, wir sind freie Journalisten oder Texter und müssen uns nicht lange auf dem Gebiet einarbeiten. Selbst dann ist die Akquise nicht leicht, da viele Firmen sehr genau wissen, dass sie diese Arbeiten kostenneutral intern dafür nicht qualifizierten Mitarbeiterinnen zumuten dürfen.


Idee 3:
Nachdem die Zeitungen/Zeitschriftenverlage wegen der zu hohen Kosten ihre Mitarbeiter (s. Idee 2) entlassen haben, und sich nun wundern, dass trotz dieser Entlassungswelle die Zahl der Leser sich nicht wieder erhöht hat, besteht natürlich weiterhin Contentbedarf, soweit die Blätter nicht ihren ehemaligen Mitarbeitern ins Aus folgten. Hier können freie Schreiber ihren Content anbieten und wenn sie weniger kosten als die ehemaligen Mitarbeiter, werde dieser auch gerne genommen.

Genau! Lasst uns alle Preisschamschwellen unterschreiten, den Markt zerstören und für ein trockenes Brot die Konkurrenz an der ausgestreckten Feder verhungern. Eine Tendenz, die sich in allen freiberuflichen Sphären unschön bemerkbar macht. Wenn es der Wirtschaft dann wieder gut geht, sollten wir uns aber damit abfinden, dass unsere Preise nachhaltig im Keller bleiben werden.



Idee 4:
Schreiben für das Internet.

Immer mehr Leute beziehen ihre Informationen aus dem Internet. Hier ergibt sich bei den Online-Magazinen eine Möglichkeit, Artikel oder andere Texte unterzubringen. In der Vita macht sich das auf jeden Fall gut. Außerdem sind die Beiträge meist wieder recherchierbar oder können verlinkt werden, so dass sie auch als Arbeitsproben weitestgehend barrierefrei zur Verfügung stehen. Das ist eine schöne Sache.

Womit ich (natürlich) wieder nicht übereinstimme, ist die Anmerkung: Die Bezahlung ist vielleicht nicht so hoch, aber besser als nichts.

Die Bezahlung wird eher in Richtung nichts gehen. Die Internetnutzer wollen kostenlosen Content. Das ist völlig in Ordnung, beeinflusst aber nachhaltig die wirtschaftlichen Überlegungen, die ein Online-Anbieter treffen muss. Wenn ich ein kostenloses Angebot zur Verfügung stelle, dann nehme ich damit im Monat genau 0,00 Euro ein. Eher bringe ich noch Geld mit, weil ich die Webseite bezahlen muss. Warum um Himmels willen sollte ich als Autorin also davon ausgehen, dass ich für den Artikel bezahlt werde?

Anders könnte der Fall liegen, wenn ein Online-Angebot über Werbeeinschaltungen finanziert wird. Allerdings wird auch dann nur eine sehr stark frequentierte Seite über genügend Werbeeinnahmen verfügen, um die angebotenen Artikel auch bezahlen zu können.


Idee 5:
Newsletter oder Firmenkorrespondenz für Mittelständler schreiben

Leider zögern die meisten Firmen, einen Newsletter überhaupt anzubieten oder den Denkwegen freier Mitarbeiter anzuvertrauen. Hier ist der persönliche Kontakt das Wichtigste und die aus guter Arbeit erwachsende Empfehlung an Geschäftsfreunde ist auch nicht zu verachten. Interessant könnte auch das Bartering sein: Ich schreibe deinen Newsletter und du schneidest mir die Haare. So haben auf jeden Fall beide Seiten etwas davon.

Mittelständler (und Freiberufler auch, wo wir gerade dabei sind) haben oft kein "richtiges" Büro. Korrespondenz und Rechnungen werden von Inhabern oder Familienmitgliedern mit Ach und Krach heruntergehauen und bleiben oft liegen, bis die Pleite droht. Hier könnte man sich einklinken, wobei sich allerdings auch die Frage der Wirtschaftlichkeit und der Kosten stellt. Überlegen Sie genau, wieviel Sie für die einzelnen Schreibarbeiten nehmen müssten, um selbst über die Runden zu kommen. In der Regel fahren diese Berufsgruppen mit 400.—Euro-Jobbern günstiger und werden eher nicht auf freie Angebote zurückgreifen.

Und vergessen Sie nicht: Schreibbüros / Schreibdienste gibt es inzwischen auch schon wie Sand am Meer. Sind Sie wirklich in der Lage, einen Teil dieses Kuchens zu ergattern?


Das gilt übrigens auch für das inzwischen so beliebte 1-Frau-Unternehmen "Ich räume Ihnen alles auf" oder "Ich schreibe Ihr Leben auf".

Die Orga-Welle hat ihre Anfangsphase jetzt schon so lange hinter sich gelassen, dass hier die besten Unternehmen längst nachhaltig etabliert sind. Sie brauchen also eine besonders ungewöhnliche Idee zu der Frage, was man den Leuten noch alles hinterherräumen könnte, um hier punkten zu können.

Das Biografienschreiben ist inzwischen ein beliebtes Angebot aller, die ein Tonbandgerät bedienen können. Entsprechend groß ist die Konkurrenz und entsprechend harsch der Umgang. Außerdem stellt sich gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise die Frage, ob die Leute – egal ob privat oder geschäftlich – überhaupt noch in der Lage und bereit sind, für das Luxusgut Biografie Geld aufzubringen. Wie eine liebe Freundin von mir erzählt, sind auch die Reaktionen von Firmenkunden oft frustrierend: Da werden Aufträge zurückgenommen, weil die Inhaber etwas aus ihrer Anfangszeit erzählen sollen und Angst haben, dass sie Betriebsgeheimnisse ausplaudern.

Ähnlich schwierig gestaltet sich das Angebot zum Lektorieren und Korrigieren. Hier können sich aber durch persönliche oder ungewöhnliche Kontakte sehr schöne Aufträge ergeben. Als Hauptbroterwerb sollte das aber nicht ins Auge gefasst werden, weil auch hier die Konkurrenz größer ist als die Nachfrage.


Aufgestöbert habe ich im Internet noch einen Bericht, der "32 Möglichkeiten, vom Bett aus Geld zu verdienen" darlegt. Dieser basiert auf Überlegungen eines bettlägerigen (amerikanischen?) Erfinders, der seinen entsprechenden Ratgeber in den USA wohl schon erfolgreich auf dem Markt hat. Hierzu und zu der Frage, über welche Themen man in der Wirtschaftskrise gewinnbringend schreiben könnte, mache ich mir im nächsten Beitrag Gedanken.


See you at the watercooler

Freitag, 2. Januar 2009

2009 wird ein schlechtes Jahr für Zeitungen und Zeitschriften

Nach einem Bericht von Deloitte, der in der Financial Times veröffentlicht wurde, stehen dem Mediensektor 2009 weltweit schwere Zeiten bevor. Bei einem erwarteten Rückgang der Werbeeinnahmen um gut 20% muss 1 von 10 Presseprodukten entweder aufgeben, seltener erscheinen oder in eine reine Online-Publikation umgewandelt werden. In den USA wird befürchtet, dass im Zuge der rückläufigen Werbegelder von den Automobilfirmen viele örtliche Publikationen vom Markt genommen werden. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA beziehen nach einem Bericht des Pew Research Centre mehr Menschen ihre Nachrichten über das Internet (40%) statt über Zeitungen (35%). Damit sind die Onlinenutzer um 16 % im Vergleich zum September 2007 gestiegen. Die britische Seite http://www.journalism.com hat im Hinblick auf die zahlreichen eingesparten Stellen eine Extraseite eingerichtet, auf der die Jobverluste im Mediensektor auf beiden Seiten des Großen Teichs aufgelistet werden. Unter der genannten URL steht auch der Bericht des PRC zur Verfügung.

Die FT bietet leider in jeder Hinsicht nur begrenzten Zugang zu ihrem Online-Angebot, solange man nicht mindestens das Standardabo kauft.

Trotzdem ein wundervolles Neues Jahr und see you at the watercooler

Mittwoch, 12. Dezember 2007

I'd rather not:

"Fast Translations For Legal & Proffesional works"

Hm.

See you at the watercooler

Donnerstag, 31. Mai 2007

Einblick in die Personalauswahl, wenn Fotos beigeklebt sind

Okay, Ihr Personalbosse, streitet es ruhig weiter ab. Wir wissen es: Ihr sucht nicht nach den Besten, sondern nach denen mit dem korrekten Bild.

Fall 1:
In einer Werbeagentur werden Bewerbungen gesichtet. Kommentar: "Die stellen wir ein, die sieht geil aus."

Fall 2:
Eine Teilnehmerin in meinem Kurs erzählt: Man hätte ihr gesagt, sie habe einen ihrer Jobs nur bekommen, weil sie so hübsch aussah.

Fall 3:
Diese Teilnehmerin erzählt von Reaktionen auf Fotos, die von "grottenhässlich, schmeiß die bloß weg" bis zu dem schon gefallenen "Geil" reichen.

Fall 4:
Es trifft aber nicht nur Frauen.
Eine andere Teilnehmerin war (vor ewig langer Zeit, wie sie sagte) bei einem Forstamt in *** (oder so was) als Praktikantin. Dort wurden ihr Bewerbungen vorgelegt. Sie - treudoof :) - blättert die Lebensläufe durch, findet einen Top-Bewerber, der sogar schon passende Fachbücher geschrieben hatte, und pickt den auch heraus. Der Personalverantwortliche lehnt ab und fordert sie auf, doch einmal genau auf die Fotos zu schauen. Welchen Sie denn danach nehmen würde?
Sie schaute wohl etwas ratlos und fragte, warum nicht der mit der höchsten Qualifikation genommen werde. Als Antwort kommt vom Boss: "Der könnte mir ja noch was erzählen." Er zeigte dann auf ein Foto, auf dem ein Bewerber in grünem Hemd mit passender dunklerer Krawatte abgebildet war. "Das ist waidmännisch. Den nehmen wir."

Tja.

See you at the watercooler

Dienstag, 27. Februar 2007

Seriöses Jobangebot?

Ja, okay - das ist jetzt das - hm? wievielte Mal, dass ich auf diesen Spammern herumreite?

Die heute also heißen Kreisdurchmesser, oder so ähnlich. Total superseriös. Ganz langer Text, fast wie eine teure Stellenanzeige in einem überregionalen Wochenblatt.

Ich soll also (mal wieder) die Finanzdinge der Kunden regeln.

So weit - so bekannt.

Nun schauen wir aber mal spaßeshalber, was denn beim Einsatz von Strg+a passiert ... hach - das ist ja ein Ding!

Da steht doch tatsächlich ganz unten weiß auf weiß und nun (an)geschwärzt was ganz anderes - nämlich das es ganz offensichtlich um Kunden geht, die Babyöl auf ihren Sonnenbrand gerieben haben wollen:

trooper Annie killed had been alone. deathward devious But you already had, hadn't you?

He might be able to break one and yell for help if someone showed up here before he starved to death, but that wasn't much comfort. Call this horse Junkie's Revenge, if you wanted. What she told me, Mister Smart Guy, is that when you buy cheap, you get cheap. Lighter fluid soaked the stack. WE KNOW! By the time their trash was stashed in the big drum with KEEP YOUR BEACH CLEAN stencilled on the side, Paulie's beach-toys picked up (that's my name Paulie I'm Paulie and tonight ma'll put Johnson's Baby Oil on my sunburn he thought inside the thunderhead where he now lived) and the blanket folded again, the piling had almost wholly reappeared, its blackish, slime-smoothed sides surrounded by sudsy scuds of foam. Saw him crawling out of the barn and down the driveway to the bulkhead, the torn streamers of his uniform swinging and fluttering. bedtime


Okay, then. Bedtime. Right.

Tut mir Leid, Leute, aber der Trick hat nicht gewirkt. Ihr seid trotzdem im Spam gelandet.

See you at the watercooler

Nachtrag: Radius. Das war's. Richtig. Hatte ich irgendwann mal in der Schule gelernt.
Gott, was man nicht alles vergessen tut -

Donnerstag, 1. Februar 2007

Jobs und Viren

Wie ich gestern schon gelesen habe und heute selbst sehe, nimmt das BKA mal wieder PCs in Fernhaft und spendiert zum Trost ein paar Virchen. Klappt das wirklich jedes Jahr zur fast gleichen Zeit wieder neu? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass in einem so relativ kurzen Zeitraum genug Frischlinge ans Netz gehen, um bei denen Fakern noch ins Netz zu gehen.

Ein Wort an Impex in sämtlichen Firmenvarianten: Leutz, druckt eure Mails auf Langpapier, rollt es auf und geht damit sch*****. Ich bewerbe mich nicht bei Euch. Kriegts ihr des jetzt endlich rein in eure Schädel, die langsamen?

Wie weit geht man für einen guten Fake? Wäre ich nicht so hyperneugierig und würde wirklich jede einzelne (Unter)seite auf einer Webseite lesen, würde mich der Auftritt von Donation Europe tatsächlich beeindrucken. Steht doch in der Fußzeile ein (c) 2002-2006 by ... Muss die Firma dann ja schon ganz schön lange geben, oder? Nach vier Onlinejahren allerdings sollte ein Blick in die News und Presse ein bisschen repräsentativer sein - da loreipsumst es noch ganz schön herum. Klingt aber schick auswärts.

Warum ich da überhaupt geschnüffelt habe? Tja. Hättet ihr halt in eurer Stellen-Ausschreibung auf selbiger Seite nicht schreiben dürfen, dass ihr freelancer als financial manager sucht. Pffff - so kriegt ihr die Netaffinen ganz bestimmt nicht in eure Klauen. Aber die anderen Deppen reichen ja, oder?

Und ihr solltet endlich aufhören, mir so einen Käse zu schicken. Ich recherchier euch ja doch nur nach und stell euch hier aus. Oder ist es das, woran des Stellengebers Herzchen hängt? Der berühmte 5-Sekunden-Ruhm eines jeden und sei er noch so trüb?

Gut, wenn es euch die Kunden fernhält ...

See you at the watercooler

Donnerstag, 11. Januar 2007

Darf's auch virtuell sein?

Dt. Kollegin für E-Massage gesucht.*


(*Stellenangebot in der MOPO)

Freitag, 5. Januar 2007

Wer gerade nach "Impex" sucht, schaue doch mal bitte hier vorbei ...

Gut, nachdem eine sogenannte Impex mir jetzt zum dritten Mal ein Teilzeitstellenangebot ins Mailfach pfeffert, erhöre ich den Schrei nach Aufmerksamkeit:

Leute, Finger weg!

Na, liebe Absender, reicht das? Noch öfter braucht ihr mich jetzt wirklich nicht mehr zu behelligen. Die Stellenausschreibungsanalyse beschränkt sich auf einen Gauner pro Kurs.

See you at the watercooler
vorausgesetzt, in der Runde nennt sich niemand Impex

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Bewerbertraining: Analysieren von Stellenanzeigen

Stellenangebote holt man sich heutzutage nicht nur via Zeitung selbst ins Haus. Sie schwirren auch – bei Nutzung von Internetbörsen – via Email herein.

Viele Bewerbungen aber scheitern daran, dass die Arbeitsuchenden die angebotene Stelle nicht darauf analysiert haben, ob sie ihren eigenen Anforderungen entspricht und ob sie selbst für diese Position geeignet sind. Ich möchte anhand eines aktuellen Beispiels zeigen, wie eine solche Analyse vor sich gehen kann.

In der Regel wird man sein Bewerberprofil nur in wenigen Jobbörsen einstellen und auch nur Kenntnisse und Fertigkeiten angeben, die zur gesuchten Stelle passen. Wenn eine freiberufliche Übersetzerin also Angebote für freiberufliche Pharmazeutisch-Technische Assistenten erhält, liegt der Verdacht nahe, dass sie ihr Profil nicht ganz korrekt ausgefüllt hat. Oder die Maschinen nicht lesen können.

Angebote, die über eine Jobbörse kommen, sind entsprechend gekennzeichnet. Hat man dem Anbieter die Möglichkeit eingeräumt, direkten Kontakt aufzunehmen, so gelten für ein solches Stellenangebot die gleichen Anforderungen wie an eine Ausschreibung zum Beispiel in der Tageszeitung. Seriosität und Eindeutigkeit stehen auf der Anforderungsliste ganz oben.

Schauen wir also, ob das nachstehende Angebot für eine Stelle als Gebiets-Repräsentant den Anforderungen gerecht wird:


"Victor Drujkov, Eurosoft Co."
Schön gemachter Absender, der in der Email-Auflistung sofort positiv auffällt.

< uqiztf@ackme.org >
Hupps?
Nach einem Blick auf die Absenderadresse kommen hier erste Zweifel auf. Auch wenn es einreißt, sich möglichst fantasiereiche Email-Pseudonyme zuzulegen, sollte man doch im offiziellen Emailverkehr darauf achten, dass nicht unbedingt Schnuckelhase567 durchs Netz hoppelt. Das kann einfach keiner ernstnehmen!

Aber dank des Internets haben wir ja die Möglichkeit, den Absender insgesamt zu recherchieren. Die Ergebnisse sind in diesem Fall ... aufschlussreich. Wer selbst einen Blick riskieren möchte, bevor die Fallanalyse abgeschlossen ist, suche über Suchmaschine und fasziniere sich ob der Ergebnisse, oder mache sich hier ein Bild: http://www.ackme.org


Betreff: Job Offer
???
Einerseits ja ganz schön, dass der Absender mir schon im Betreff sagt, was er für mich in die Mail gepackt hat. Aber: Geht es vielleicht ein kleines bisschen präziser? Unbedingt sollte im Betreff stehen, um was für einen „Job“ es sich handelt: Ob ich etwas übersetzen soll, oder ob meine Kreativität gefragt ist oder ob ich vielleicht als Dozentin gewünscht werde.


Datum: Wed, 13 Dec 2006 20:22:08 –0300
Bevor wir über die Versendezeiten diskutieren: Bitte immer die Verschiebungen durch die Zeitzonen beachten. Diese Versendezeit ist nicht zwingend ein Hinweis auf einen unseriösen Nachtschichtler!


Dear Sir/Madam!

We are a small and relatively new Software Development and Outsourcing Company specializing in enterprise application development, system integration, corporate networks and other software solutions for business and finance. The company based in Ukraine (Europe). We've earned ourselves a reputation of a reliable and trustworthy partner working successfully with a number of West European Australia and North American companies and providing them with reliable software development services in financial, telecom and media sectors. Unfortunately we are currently facing some difficulties with receiving payments for our services. It usually takes us 10-30 days to receive a payment from your country and such delays are harmful to our business. We do not have so much time to accept every wire transfer and we can't accept cashier?s checks or money orders as well.
That's why we are currently looking for partners in your country to help us accept and process these payments faster.


Die Regeln der Anrede werden offensichtlich beherrscht. Aber hoppla, was ist denn das? Mir fehlt was.

Vielleicht haben die Kursteilnehmer eine Vorstellung, was hier fehlt?

Oh, gut – Sie hätten das auch so gemacht, schließlich ist sind hier die wichtigsten Informationen gebündelt vorhanden?

Ha! Falsch.

Die Informationen hier gehören in den zweiten Absatz. Ganz am Anfang muss ich dem Empfänger doch erst einmal erklären, woher ich ihn überhaupt kenne und warum ich mich erdreiste, meine Post in sein Fach zu schubsen. Richtig wäre also sinngemäß gewesen: Ich habe Ihr Profil auf der Seite (URL) gesehen und wende mich heute mit einer Anfrage nach einer Zusammenarbeit an Sie. Es gibt so viele hübsche Möglichkeiten, ein Jobangebot empfängerlockend zu gestalten.

Schauen wir uns die gebündelten Informationen jetzt mal genauer an, so stellen wir fest, dass es sich offenbar um ein neues Unternehmen handelt, das aber trotzdem schon einen ganz, ganz großen Ruf hat. Bis zum Punkt hinter den Themenbereichen ist soweit im Großen und Ganzen alles in Ordnung – abgesehen von einem kleinen, individuellen Zusammenzucken, wenn ich Angebote aus Russland in die Finger bekomme.

Jetzt aber geht es knüppeldick weiter:
Unfortunately we are currently facing some difficulties with receiving payments for our services.
Schlecht. Ganz schlecht. Wenn ich jemand eine Stelle anbiete, spreche ich doch nicht von Zahlungsproblemen!

Aber – halt! Sie kriegen ihr Geld ja doch. Es geht nicht um nicht zahlende Kunden, sondern um die Art und Weise, wie die Banken arbeiten: It usually takes us 10-30 days to receive a payment from your country and such delays are harmful to our business.
Na und? Dann suche man sich einen Bankaccountprovider, der bessere Konditionen hat.
We do not have so much time to accept every wire transfer and we can't accept cashier?s checks or money orders as well.
Ääääääääääääääääääää...
Soweit ich weiß, ist bei allen Banken ein wire transfer eine simple ... Banküberweisung. Die Arbeit damit hat alleine der Überweisungsausschreiber. Beim Empfänger schlendert das Geld einfach so aufs Konto, oft ohne große Spuren zu hinterlassen. Aber okay, Schecks und Zahlungen via Western Union oder Money Gram verursachen beim Empfänger natürlich wirklich unnötigen Ärger.
That's why we are currently looking for partners in your country to help us accept and process these payments faster.
Hier will jemand Geld verschwenden an eine Stelle, die durch und durch überflüssig ist? Kann nicht sein. Auf jeden Fall wäre für säumige Kunden die Inanspruchnahme eines Inkassobüros sinnvoller. Aber das scheint ja nicht gewollt zu sein, denn – lesen wir weiter:

If you are looking for a chance to make an additional profit you can become our representative in your country. As our representative you will receive 8% of every deal we conduct. Your job will be accepting funds in the form of wire transfers and check payments and forwarding them to us. It is not a full-time job, but rather a very convenient and fast way to receive additional income. We also consider opening an office in your country in the nearest future and you will then have certain privileges should you decide to apply for a full-time job.
Komisch. Liest sich wie: Gib mal dein Konto fürs Phischen. Eine unmissverständlichere Jobbeschreibung wäre schon wünschenswert. Einfach zur Vermeidung von – nunja: Missverständnissen.

This is an entry level opportunity in the field of financial services. Our financial professionals work with clients to help them achieve their many financial goals such s saving on taxes.
Moment – waren das am Textanfang hier nicht noch Softwareproduzenten?

We therefore solicit your assistance in remitting this money and facilitating transactions. If you believe you would be able to undertake such a task and are interested in this job, please respond to Eurosoftmd3@aol.com and send us the following information about yourself:

1. Your Full Name as it appears on your resume.
2. Education.
3. Your Contact Address.
4. Telephone/Fax number.
5. Your present Occupation and Position currently held.
6. Your Age

Please respond ASAP and we will provide you with additional details on how you can become our representative. Joining us and starting business today will cost you nothing and you will be able to earn a bit of extra money fast and easy.


Leute, ihr habt vergessen, nach der Kontonummer zu fragen.
Warum sollte ich mir überhaupt Informationen zu der Stelle erst noch holen müssen? Eine gute und seriöse Ausschreibung ist in diesem Punkt so umfassend formuliert, dass eben keine Fragen mehr offen bleiben.
Und dann soll ich noch über eine extra einzugebende abweichende Emailadresse antworten? Nix da – Return to Sender oder Go to dingens.

Should you have any questions, please feel free to contact us at the address mentioned above. Looking forward to hearing from you.
Ich hätte keine Fragen, Euer Ehren.

Sincerely,
Victor Drujkov,
Director of Marketing Dept.,
Eurosoft Co.


Dass diese Unterschrift absolut nicht den Anforderungen an eine im seriösen Geschäftsleben verwendete Signatur entspricht, muss ich jetzt nicht noch extra betonen, oder?

Ich habe mich nach eingehender Analyse des Angebots entschieden, auf diese Stelle zu verzichten. Ich facilitate meine transactions lieber andernorts, nämlich dort, wo es für mich sicher ist. Der Job steht also zur Verfügung und ich fürchte, es werden sich noch genügend Bewerber darum reißen.

Bis zum nächsten Bewerbertraining darf ich Ihnen noch eine angenehme Zeit wünschen und hoffe, Sie vollzählig hier wieder anzutreffen.

See you at the watercooler

Freitag, 8. Dezember 2006

Interessantes Teilzeit-Jobangebot für BesitzerInnen von Festnetzanschlüssen, deren Rufnummer verdeckbar ist

800 € für 20 Wochenstunden flexibel + 10 € Überstundenvergütung.
Heimarbeit.

Ist dieses Jobangebot nun bedenkbar oder bedenklich?

Irgendwie habe ich gerade keine Zeit für Recherche ;) Falls sich also jemand die Mühe machen möchte: Go ahead

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