Nachdem wir im letzten Jahr schon auf dem Kinderfest waren, das die Polizei in Hamburg im Sommer veranstaltet, wollen wir diese tolle Veranstaltung einmal über die Stadtgrenzen hinaustragen. Das Wetter war schön (zum Glück schwebte immer mal wieder eine Wolke über den Himmel und es war windig genug, damit es nicht zu heiß wurde) und die Stimmung auf dem Fest ist einfach enorm.
Fachleute werden bemerken, dass die eine oder andere "Begebenheit" aus dramaturgischen Gründen mit einer anderen verschmolzen wurde. Bitte nicht übelnehmen!
Hier also unser Live-Bericht:
Am Eingang, wo die Landesbereitschaftspolizei untergebracht ist, kriegst du einen Plan, auf dem alle Veranstaltungen und Stände eingezeichnet sind. Du weißt also immer, wohin du gehst und wo du gerade bist. Das Gelände ist zwar nicht riesig, aber trotzdem schaffen es immer wieder Kinder und Eltern, sich zu verlieren. Da kriegst du dann Hilfe von den Leuten an der Bühne, wo die Veranstaltungen aufgerufen und kommentiert werden. Die netten Polizisten rufen Mama oder Papa aus – oder den Namen des Kindes, das verlorengegangen ist. Da kommt gerade eine ganz merkwürdige Ansage, psst, hör mal: "Die Mutter des ungefähr vierjährigen Sascha sucht diesen ..." Den Rest hören wir gar nicht, weil wir uns ganz verdutzt ansehen: Eine Mutter, die nicht weiß, wie alt ihr eigenes Kind ist? Sachen gibt es!
Da vorne kann man sich auf dem Polizeimotorrad fotografieren lassen. Du darfst sogar eine echte Mütze aufsetzen! Was steht denn da? 'Foto: 1,-- €. Der Erlös geht als Spende an Paulinchen e.V.'
Paulinchen? Das kommt mir bekannt vor. Hm, war da nicht was im Struwwelpeter?
Aber darüber kann ich nicht lange nachdenken, denn da links neben dem Polizeiorchester (ui, coole Musik – trotzdem ist mir Tokio Hotel lieber) ist ein Zelt von der Feuerwehr, und das ist spannender. Davor steht eine Schaufensterpuppe in Feuerwehruniform. Auf den Rücken hat sie eine Pressluftflasche geschnallt. Ein Vater erklärt gerade seinem Sohn so ein rundes Ding, das wohl ein Luftdruckmesser ist. Bei "200" ist alles in Ordnung, sagt er, aber je näher der Zeiger an die "50" rutscht, desto schneller sollte der Feuerwehrmann zusehen, dass er wieder an die frische Luft kommt.
Im Zelt zeigen zwei Feuerwehrmänner, was bei einem Brand passiert, wenn Luft auf die Flammen trifft. An dem breiten Grinsen kannst du richtig sehen, wieviel Spaß sie an dem Experiment haben!
In einem Plexiglascontainer haben sie einen Dachboden mit Haus drunter aufgebaut (sage ich jetzt einfach mal so, du kannst dir das bestimmt vorstellen, oder?). In dem "Dach" stehen zwei brennende Teelichter, und der Feuerwehrmann möchte wissen, was man tun soll, wenn ein Raum brennt und eine ganz bestimmte Öffnung nicht geschlossen ist. Erst schauen sich alle ratlos an, aber dann sagt jemand: "Die Tür zumachen."
Genau! Weil sonst Sauerstoff an die Flammen kommt und Sauerstoff ist für Flammen sowas wie Spinat für uns: Sie werden groß und stark davon und sind dann noch gefährlicher. Vielleicht kann ich Mama ja mit dem Beispiel den Spinat endlich ausreden?
Dann zeigt der Feuerwehrmann, wie der Sauerstoff auf die Flammen wirkt, indem er ein Pulver über die Kerzen bläst, das wie Sauerstoff wirkt. Einmal macht er das mit geschlossenem Deckel und beim zweiten Mal nimmt er die Klappe, die er vorher als "Tür" aufgelegt hat, wieder runter. Dann pustet er in einen dünnen Schlauch und im Inneren dieses Containers wirbelt das Pulver über die Teelichter. Was da an Flammen hochgeschlägt, ist schon ziemlich heftig. Bei offenem Deckel – und der Feuerwehrmann schwört, dass er nur vorsichtig gepustet hat – schlagen die Flammen bis zum Zeltdach hoch!
Dann sollen wir alle uns einmal umdrehen und auf eine große Tür gegenüber gucken. Da sagt der Feuerwehrmann: "Die Klappe, die ich eben benutzt habe, war ja noch sehr klein. Jetzt stellt euch einmal vor, dass es da drüben brennt. Wenn jetzt jemand die Tür aufmacht, dann schlagen die Flammen ja noch weiter raus und sind noch größer. Was glaubt ihr wohl, wer die ins Gesicht kriegt?" "Der, der die Tür aufmacht!", ruft jemand. "Stimmt", sagt der Feuerwehrmann. Das ist keine schöne Vorstellung!
Ich wollte ja wissen, was das für ein Pulver ist, das der Feuerwehrmann da über die Teelichter gepustet hat. Man weiß ja nie, wofür man so was mal brauchen könnte. Aber der muss das schon geahnt haben und hat nur grinsend geantwortet: "Das ist ein Feuerwehrspezialpulver. Ein Rezept aus Dithmarschen."
Jetzt möchte ich aber weiter, es wird mir zu feurig hier drin. Draußen entdecken wir einen Stand mit der Aufschrift "Paulinchen e.V.". Oh! Jetzt weiß ich es wieder: Paulinchen war das Kind, das im Struwwelpeter mit dem Feuer gespielt hat. Der Verein unterstützt Eltern von Kindern, die mit schweren Brandverletzungen leben müssen. Wir haben eins der Bücher mitgenommen und werden das zu Hause noch ganz in Ruhe lesen.
Auf dem großen Platz sehen wir drei Feuerwehrautos. In einem der Körbe stehen ganz viele Kinder und werden hoch in die Luft gehoben. Das sieht spannend aus, aber als wir ankommen, warten die Leute schon in einer Schlange quer über den Platz. Das dauert bestimmt Stunden, bis wir da mal dran sind.
Also sehen wir uns erst einmal weiter um und kommen gerade an die Bühne, als die "Mini-Flitzer" eine Show fahren. Die Kinder in diesem Verein lernen Motorrad fahren und sind bestimmt später die besten Fahrer der Welt. Wenn die mal zur Polizei gehen, dann arbeiten sie sicher in der Motorradstaffel, die ein paar supertolle Stunts drauf hat. Voll genial alte Maschinen haben die da vor der Hecke aufgestellt – sogar noch mit Gepäckträgern aus Holz!
Da sind auch zwei Torwände aufgebaut, aber heute habe ich gar keine Lust auf Fußball. Ich versuche lieber mein Glück am Dosenwurfstand. Da kann ich Sprühdosen umwerfen, die manche Blödmänner benutzen, um Wände oder die Sitze in der Bahn vollzuschmieren. Du weißt bestimmt, was ich meine: Die sprühen hässliche Buchstaben, die ihre Unterschrift sein sollen. Das ist Sachbeschädigung, für die sie bestraft werden können, wenn die Polizei sie erwischt. Ehrensache, dass ich die Dinger mit Karacho von der Platte fege. Ich möchte sowas auch nicht an unserer Hauswand haben!
Auf dem Weg zum Verkehrskasper bleiben wir noch bei der Taucherstaffel stehen. Hier erklärt ein Polizist gerade seinen Taucheranzug. Das ist bei der Hitze nicht besonders toll, weil das Gummi von solchen Anzügen ja kein Wasser nach außen lässt. Der Ärmste schmort sozusagen in seinem eigenen Saft und schwitzt ganz brutal. Am linken Ärmel ist ein Ventil, mit dem man die eben eingepumpte Luft wieder rauslassen kann. Der Polizist erklärt, dass er beim Tauchen die Luft in den Anzug einpumpt, damit er leichter wieder an die Oberfläche kommt. Klar: Was mit Luft gefüllt ist, ist leichter als Wasser und treibt nach oben. Wenn er dann wieder abtauchen möchte, lässt er die Luft einfach durch das Ventil wieder ab.
Leider haben wir keine Zeit mehr, uns die vielen Informationen über die Taucher in Ruhe durchzulesen, denn gleich fängt der Verkehrskasper an, den wir unbedingt sehen wollen. Wir laufen bei der Wasserschutzpolizei vorbei, werfen noch einen Blick auf die Libelle (das ist der Polizeihubschrauber), und richten uns nach der Ansage über den Lautsprecher. Leider sind wir auf der falschen Seite rausgekommen (war zu erwarten, Mama verläuft sich immer). Also müssen wir noch ein paar Mal um die Ecke laufen, aber wir kommen doch noch gerade so eben rechtzeitig. Doof finde ich, dass so viele Erwachsene die Stühle besetzen, die für die Kinder gedacht waren. Das sollte ich mir mal bei einer Veranstaltung für große Leute erlauben! Oder im Bus.
Das Theaterstück, das die drei Polizisten vom Verkehrskasper spielen, ist total spannend.
Es geht um eine neue Fußgängerampel, auf die alle ganz stolz sind. In dieser Ampel leben zwei rote Ampelmännchen, das sind die Stehmännchen. Es gibt auch das grüne Gehmännchen, aber das kommt in der Geschichte dann nicht mehr vor. Alle drei können übrigens sprechen. Plötzlich kommt der böse Zauberer und verwandelt die roten Ampelmännchen in zwei rote Äpfel. Kasper kommt zu Hilfe und findet in dem Zauberbuch des bösen Zauberers einen Spruch, mit dem der böse gegen einen guten Zauberer ausgetauscht werden kann. Das klappt, der gute Zauberer verwandelt die Äpfel wieder in Ampelmännchen, das vom bösen Zauberer gestohlene Zauberbuch wird an die Zauberschule zurückgegeben und Kasper geht mit Ferdi zur Oma ... ich glaube, die wollten Apfelkuchen essen.
Da haben wir beide am Ende aber nicht mehr so richtig aufgepasst. Das verrätst du aber bitte nicht, wenn du mal den Verkehrskasper triffst, ja? Alles andere wissen wir noch ganz genau.
So tolle Geschichten möchte ich mir auch gerne ausdenken können. Dann werde ich später mal Schriftstellerin oder ich schreibe Theaterstücke.
Die Zeit vergeht plötzlich rasend schnell. Jetzt müssen wir unbedingt noch rüber zu den Rundfahrten. Da stehen auch schon wieder so viele Leute an und natürlich steht das Ende der Schlange mitten in der Sonne. Die Bäume ein Stück weiter vorne wackeln mit den Ästen über ihren Schatten, aber das dauert bestimmt ewig, bis wir endlich da landen. Vor uns stehen zwei Frauen mit mehreren Kindern. Eine sagt: "Ich warte dann hier im Schatten auf euch." Dann geht es drei Schritte vorwärts und die Frau sagt: "Ich warte dann hier im Schatten auf euch." Als wir endlich unter den Bäumen ankommen, sagt die Frau: "Ich warte dann hier im Schatten auf euch." Die hat bestimmt früher zu viele Märchen gelesen, in denen alles dreimal passierte.
Wir können in einem Peterwagen, einem Mannschaftswagen, einem Feuerwehrauto oder beim Technischen Hilfswerk mitfahren. Ich suche mir den Peterwagen aus und darf sogar vorne einsteigen und mit dem Lautsprecher eine Ansage machen. Der Polizist zeigt uns auch, wie das mit dem Funkgerät funktioniert. Wir fahren mit Blaulicht und Sirene durch die Tiefgarage und wieder zurück an den Anfang. Auf dem Tacho ist auch eine Temperaturanzeige. Kein Wunder, dass wir alle triefen, denn im Wagen ist es fast 28°C heiß.
Toll – jetzt kommt Mama plötzlich damit raus, dass sie unbedingt rechtzeitig nach Hause will, weil sie noch mal beruflich telefonieren muss. Also gut, machen wir uns halt auf den Rückweg und verzichten auf die Vorstellung der "Flying Grandpas". Schade, die haben mir letztes Jahr mit am besten gefallen.
Während wir um die Bühne herumlaufen, zeigt die Feuerwehr, wie es aussieht, wenn ein 20-Kilo-Sack aus 13 Metern Höhe in ein Sprungrettungskissen fällt. Manchmal muss man ja aus dem Fenster springen, und dann wird unten auf der Straße ein riesiges, weißes Kissen aufgeblasen – obwohl: aufblasen ist nicht richtig, das Riesending ploppt von jetzt auf gleich so auseinander, dass es in 30 Sekunden fertig da liegt. Wir hören, dass man am besten mit dem Po auf der Fläche landen sollte – und da fliegt auch schon der Sack herunter.
Umpf. Der springt auf dem Kissen mindestens dreimal auf und ab! Das sieht jetzt bestimmt gefährlicher aus, als es ist – aber ich möchte mir lieber nicht vorstellen, ich wäre das gewesen. Wahrscheinlich ist das nicht schlimmer, als auf dem Trampolin zu springen, sonst dürften die so ein Kissen ja gar nicht einsetzen. Nee – trotzdem: über den Kran abseilen lassen ist bestimmt angenehmer.
Wir lassen uns noch den Wasserwerfer erklären, über den wir so oft in den Nachrichten hören. Die Beamten, die auf so einem Wasserwerfer arbeiten, haben eine spezielle Ausbildung dafür machen müssen. Vorher dürfen sie da gar nicht mitfahren. Vorne in dem Wagen sitzen drei Leute: Fahrer, Beobachter und Chef. Hinter den vorderen Sitzen sind zwei Armaturen mit vielen bunten Knöpfen, mit denen die Werfer gesteuert werden. Das sieht ein bisschen aus wie eine Playstation.
Auf jeden Fall werden wir nächstes Jahr wieder dabei sein, und dann sehen wir uns alles das an, was wir dieses Mal verpasst haben.
Wenn ihr auch so tolle Veranstaltungen von Polizei und Feuerwehr bei Euch zu Hause habt, dann geht doch mal hin. Es macht wahnsinnig viel Spaß und du kannst eine Menge lernen. Ich finde es total spannend, wie viele interessante Sachen du bei der Polizei machen kannst. Vielleicht werde ich doch keine Schriftstellerin ...